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StärkenNews – Ich stelle vor: Ein erfolgreicher Unternehmer! Da sitzt er … in seinem Jaime Tresserra Sessel … schaut immer wieder auf die goldene Armbanduhr … tappt permanent mit seiner Schuhspitze. Handgenähte Schuhe, selbstverständlich. In London gefertigt. Wo denn sonst? Er soll den Nachmittag mit seinem Sohn verbringen. Der Racker verspätet sich. Ärgerlich. Denn hätte er das vorher gewusst, hätte er eben doch an der Telefonkonferenz teilnehmen können. Den Jungen von der Schule abzuholen, dafür war keine Zeit gewesen. Also muss der Kleine zu Papa ins Büro kommen. Er seufzt … im Büroflur ist eine Kinderstimme zu hören. Die Zeitverschwendung kann beginnen!

Falsche Prioritäten

Ich wüsste zu gerne, aus welcher Perspektive Sie, liebe Leser, soeben den Eingangsabsatz gelesen haben. Denken Sie vielleicht: „So hartherzig kann man als Vater doch nicht sein!“ Oder bezweifeln Sie sogar, dass es solche Unternehmer-Väter überhaupt gibt? Oder aber fühlen Sie sich möglicherweise ertappt, weil Sie genau so sind? Fakt ist, dass ich in den vergangenen Jahren genügend Unternehmer getroffen habe, die 1:1 dem obigen Beispiel entsprachen. Oft unbewusst oder unbeabsichtigt. Und um eines gleich klarzustellen: Eigentlich hat mein Beispiel-Unternehmer seinen Sohn lieb. Sehr sogar! Er setzt „nur“ die falschen Prioritäten. Und darin liegt das eigentliche Drama!

Erfolg als Lebensmittelpunkt

Was sind die Umstände, die zu so einem Ungleichgewicht in der Work-Life-Balance eines Unternehmers führen? Nun, die oben beschriebene Verhaltensweise betrifft nach meinen Beobachtungen überwiegend die Generation X und die Baby Boomers. Diese beiden Generationen haben unter anderem die Arbeit und den Erfolg in den Lebensmittelpunkt gerückt (siehe hierzu: Generationen auf dem Arbeitsmarkt).

Diese Unternehmer haben sich häufig (und ausschließlich) mit aller Kraft auf den Betrieb konzentriert. Der Erfolg blieb nicht aus. Gutes Geld wurde verdient. Prima: Die heutige Generation blickt einer Lawine aus Erbvermögen entgegen. Ein Schlaraffenland!

Rückständige Denkweise

Die Unternehmer-Generationen X und BB haben aber auch so antiquierte Denkweisen entwickelt, wie: „Ohne mich läuft es nicht.“, „Erst der Betrieb, dann die Familie.“, „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.“ oder „Dann mache ich es lieber gleich selbst.“

Da war es dann da: Das Dilemma. Drei Rolex am Arm, aber keine Zeit. Kinder entfremdet, Ehe zerrüttet, zweiter Herzinfarkt droht und zum Golfspielen ist auch keine Zeit mehr. Was ist denn das für ein Leben?

Alleine kommt der Unternehmer aus diesem Hamsterrad nicht mehr heraus. Erstaunlicherweise lässt er sich aber auch nur ungerne helfen … trotz Selbsterkenntnis. Verrückt. Aber dies erlebe ich tatsächlich live immer wieder. Und wenn der Unternehmer so weitermacht, dann gefährdet er am Ende sogar noch eine erfolgreiche Weitergabe seines Betriebs zum Renteneintritt.

Erfolgreicher Unternehmer: Zeit ist der wahre Reichtum

Moderne Ansichten

Die jungen Generationen Y und Z (ja, auch aus letzterer entstammen bereits Unternehmer) machen es häufig anders und – aus meiner Sicht – besser. Selbstverständlich bekommt deren eigenes Unternehmen die angemessene Aufmerksamkeit … aber parallel eben auch das soziale und private Umfeld. Die Unternehmensführung wuchert nicht zum Selbstzweck, sondern ist Zweck und Grundlage für das eigentliche Leben.

Ein erfolgreicher Unternehmer bemisst wirklichen Reichtum in Zeit

Mal ehrlich: Was nützt die ganze Maloche, wenn am Ende keine Zeit mehr bleibt, das verdiente Geld zu genießen? Der Ehefrau eine schöne Zweisamkeit zu bereiten, den Kindern die Welt zu zeigen und mit den Freunden Tennis zu spielen? Ich kenne genügend Unternehmer, die ihr Leben lang dem Erfolg gehuldigt haben. Jetzt sind sie zwar steinreich, aber eben auch einsam, alt und verbittert. Geld ja, Lebensfreude nein. Lohnt sich das?

Meine Empfehlung an jeden Unternehmer: Sorgen Sie ab sofort dafür, dass Sie im Betrieb entbehrlich sind. Konzentrieren Sie sich mit aller Macht darauf, alles zu tun, damit Sie nicht mehr gebraucht werden. Klingt komisch, sagen Sie? Ist es aber nicht! Denn wenn Sie nicht mehr gebraucht werden, haben Sie als Manager alles richtig gemacht. Sie haben die richtigen Mitarbeiter, an der richtigen Stelle, richtig motiviert. Holen Sie Ihren Jungen von der Schule ab, und freuen Sie sich auf einen albernen Nachmittag. Heute beginnt der Rest Ihres Lebens. Genießen Sie ihn.

Herzliche Grüße
Carsten Seiffert

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