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StärkenNews – In Bezug auf die Mitarbeiterentwicklung werde ich immer wieder gefragt: „Warum soll man sich nur auf die Stärken fokussieren? Müssen Schwächen nicht ernstgenommen werden?“ Oder: „Warum sollte ich mich auf Stärken konzentrieren? Mache ich nicht einen Fehler, wenn ich Schwächen ignoriere?“ Stimmt! Ein ausschließlicher Fokus ­­- entweder auf Stärken oder auf Schwächen – wird beiderseits zu einem negativen Ergebnis führen. Es ist der generelle Umgang mit unseren Schwächen, der dringend einer Neuausrichtung bedarf. Die grundsätzliche Wahrheit liegt sehr wohl in dem Motto: Stärken stärken, schwächt Schwächen! Wie ich das meine, lesen Sie jetzt:

Die Entstehung der Schwächenkultur

Das Industriezeitalter hat eine angsteinflößende Denkweise hervorgebracht: die Fehler der Mitarbeiter müssen korrigiert werden. Genauso, wie eine kaputte Maschine repariert wird. Dies führte zu einer kurzsichtigen Voreingenommenheit der Schwächeneliminierung, die eine unerwartete Kettenreaktion von negativen Auswirkungen mit sich brachte. Die meisten davon beeinflussen auch heute noch unsere (wirtschaftliche) Kultur. Diese negativen Auswirkungen färben ab auf unsere Art zu denken, zu arbeiten, zu erziehen und unsere Lebensführung.

Zum einen hat dieser Schwächenfokus dazu geführt, dass jedermann Angst hat, seine Defizite könnten entlarvt werden. Diese unterbewusste Sorge führte über die Zeit zu vermehrtem Einzelgängertum, Verschlossenheit und Intransparenz im Umgang mit Kollegen. Dadurch wird das Vertrauen gestört, die Kommunikation und Zusammenarbeit leiden und kommen schlimmstenfalls zum Erliegen.

Zum anderen hat dieses Hauptaugenmerk die Schwächen nicht reduziert, sondern ironischer Weise auch noch potenziert. Denn so wird viel Zeit und Energie darauf ver(sch)wendet, sich mit Dingen zu beschäftigen, die der Mitarbeiter NICHT gut kann.

Schwächenfokus kreiert keine Höchstleistungen

Egal, wieviel Aufwand die Führungskraft in die Schwächenkorrektur investiert: sie wird immer nur einen Mittelwert der gesamt möglichen Effektivität erreichen. Es kostet wesentlich mehr Energie, sich von der Inkompetenz zum Durchschnitt zu entwickeln, als von einer bereits guten Performance zur Exzellenz.

StärkenÜBERnutzung kann toxisch sein

Es ist die vorgenannte Entwicklung mit ihren negativen Resultaten, die inzwischen viele Unternehmen (weltweit) dazu veranlasst hat, die Stärkenphilosophie im Betrieb einzuführen. Wenn dies jedoch nicht richtig betrieben wird – wer hätte das gedacht? – kann die ganze Chose nach hinten losgehen. Der (übertriebene) Fokus auf Stärken und die Verneinung von Schwächen, kann bei den Mitarbeitern eine falsche Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten verursachen. Gerade bei Personen mit einer sowieso aufgeblähten Selbsteinschätzung kann der Stärkenfokus zum „Größenwahn“ führen. Vorhandene Stärken werden dann leicht übernutzt. Die Folge ist Toxizität (siehe hierzu auch: Herausforderung Führung: Wenn Stärken ätzend werden …). Zudem haben Unternehmen – unter einem falschen Verständnis für den Stärkenansatz – zu viele Ressourcen in der Mitarbeiterentwicklung in C und D Performer investiert, statt sich auf die A und B Performer zu konzentrieren. Der alleinige Fokus auf Stärken ist also offensichtlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Es ist Zeit, den Umgang mit Schwächen zu ändern

Klartext: der (ALLEINIGE) Fokus auf Schwächen hilft einem Unternehmen nicht, die gegenwärtigen Marktherausforderungen zu meistern. Umgekehrt, derjenige auf Stärken, ebenso wenig. Es gibt einen besseren Weg in der Mitarbeiterentwicklung. Dieser involviert einen geänderten Blickwinkel auf die Schwächen in Verbindung mit einem ausgedehnten Stärkenverständnis – inklusive der Betrachtung, wie die Stärken bei der Minimierung der Schwächen eingesetzt werden können.

Liebe Leser, stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn jeder Mitarbeiter sagen könnte: „Ich weiß, was ich kann. Ich weiß, was ich nicht kann. Und beides ist OK!“ Stellen Sie sich vor wie es wäre, wenn niemand mehr Angst haben müsste, dass die eigenen Unzulänglichkeiten ans Licht kommen. Wie wäre es, wenn die eigenen Schwächen einen nicht mehr zurückhalten und dem Erfolg im Wege stünden? „Weil die Schwächen eliminiert und verschwunden sind“, fragen Sie? Nein, weil die Schwächen akzeptiert werden!

Mitarbeiterentwicklung - der geänderte Umgang mit Schwächen entfesselt die Stärken

Dies bedeutet, dass jeder (vom Vorstand, bis zum Azubi) seine Stärken und Schwächen aus einem weiseren und reifen Blickwinkel betrachtet. Jeder Mitarbeiter kann selbstbewusst seine Stärken in der einen Hand halten und verletzlich seine Schwächen in der anderen. Das Vorhandensein beider Komponenten gibt dem Kollegen einen Herzschlag; macht ihn human. Unterm Strich hat jeder Mensch seine Stärken und Schwächen.

Mitarbeiterentwicklung – Stärken stärken, schwächt Schwächen

Nachdem der beschriebene Wechsel vollzogen ist, wird jeder Beteiligte merken, dass die eigenen Stärken eine permanente Quelle der Stärke sind. Klingt komisch, ist aber so! Die Mitarbeiter werden mutiger, selbstbewusster und innovativer. Das Engagement steigt, die Zusammenarbeit erhöht sich, und die Effektivität erreicht ihr Maximum.

Und ganz am Rande sei erwähnt:  2/3 der täglich erlebten Frustrationen und Niederschläge haben ihre Ursache in falsch oder gar nicht angewandten Stärken. Stärken stärken bedeutet also automatisch, dass 2/3 der eigenen Schwächen minimiert werden. Zwei Drittel!! DAS schafft kein Schwächenfokus … nicht einmal im Ansatz.

Damit, werte Leser, wiederhole ich das eingangs erwähnte Motto in der Mitarbeiterentwicklung: Stärken stärken, schwächt Schwächen. Dies im Kontext eines neuen Bewusstseins für „selbstbewusste Verletzlichkeit“ und der Souveränität im Umgang mit Stärken und Schwächen. Nicht nur der eigenen, sondern auch derjenigen der Kollegen und Mitarbeiter.

Herzliche Grüße
Carsten Seiffert

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