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Selbstbewusste Verletzlichkeit

Warum muss ein Chef eigentlich immer perfekt sein und sowieso alles besser können? So eine Art von unverletzlicher Super-Macher. Ich habe in meinem vergangenen Berufsleben oft mitbekommen, dass sich die Chefs oder Vorgesetzten auf gar keinen Fall eine Blöße geben wollten. Sei es beruflich, privat, körperlich oder mental. Der Wunsch oder sogar das Bedürfnis nach echter Zusammenarbeit wurden schlichtweg unterdrückt.

Wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, dann ist dieses Bestreben nach Unfehlbarkeit sogar nachvollziehbar. Wie soll ein Chef seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen antreiben, wenn er nicht selbst der Beste ist? Doch stammt diese Art des Führungsverhaltens nicht aus einer lang vergangenen Epoche? Inzwischen ist längst ein neues Zeitalter eingeläutet. Wir dürfen Mensch sein. Mit allen Stärken und Schwächen. Das gilt auch für Chefs. Wem folgen wir denn lieber und loyaler: dem konstruierten Alleskönner oder dem authentischen Anführer? Warum ergänzen wir nicht unsere individuellen Stärken – in einer konstruktiven Zusammenarbeit – zu einem unschlagbaren Ganzem?

Selbstbewusste Verletzlichkeit und Zusammenarbeit.

Kein Mensch ist perfekt. Niemand kann wirklich alles können. Und dies auch noch auf absolutem Höchst-Niveau. Ständig vorzugeben (vorgeben zu müssen) in allen Bereichen der Top-Performer zu sein, hat für den Chef irgendwann zwei gefährliche Effekte. Erstens: er brennt aus. Zweitens: irgendwann macht er eben doch einen Fehler und dann verliert er sein Gesicht.

Folgendes ist mir selbst passiert. Ich hatte eine Präsentation zu halten, vor den versammelten Top-Vertrieblern. Das Dumme nur: ich hatte eine Bindehautentzündung. Nicht schmerzhaft … aber unangenehm. Außerdem ist so ein Matschauge nicht zu übersehen. Sieht echt blöd aus. Wer selbst schon einmal eine Bindehautentzündung hatte, weiß wovon ich spreche. Ich fühlte mich noch wohl in meiner Haut und zu Beginn der Präsentation sagte ich fröhlich so etwas wie: „Bevor sich jeder über mein Auge wundert und abgelenkt ist: das ist eine Bindehautentzündung und nicht weiter schlimm…..“. Der Allein-Vorstand war ebenfalls beim Meeting anwesend. Er sagte mir noch vor versammelter Mannschaft, dass ich mir so eine Blöße als Vorgesetzter nicht geben dürfe. Peinlich! Und ich fragte mich: warum eigentlich nicht? Warum darf ich das Offensichtliche nicht ansprechen und einfach nur Mensch sein?

Lebt es sich nicht viel befreiter und authentischer, wenn ich zu meinen Schwächen stehe? Wenn ich mir bewusst bin in welchen Bereichen – insbesondere fachlich – meine Stärken unterentwickelt sind, und ich zusätzlich auch noch selbstbewusst mit diesem Umstand umgehe, dann kann ich mich mit Kollegen und Mitarbeiter umgeben, die meine Schwächen ausgleichen. Dann ist authentische Zusammenarbeit möglich. Was hätte dies zur Folge? Ich selbst agiere nur noch in meiner „Stärken A+ Zone“ und sämtliche Arbeiten würden mir leichter und schneller von der Hand gehen. Meine Kollegen und Mitarbeiter fühlen sich eingebunden und bestätigt, weil ich deren Talente richtig erkannt und eingesetzt habe. Das Teamwork steigt und das Gesamtergebnis wird sich verbessern.

Und noch eines: ein Unternehmensinhaber, der authentisch und selbstbewusst verletzlich ist, wird eine geringere Mitarbeiterfluktuation haben. Mit Sicherheit!

Ich wünsche Ihnen einen starken Tag, mit viel selbstbewusster Verletzlichkeit und effektiver Zusammenarbeit.

Herzliche Grüße
Carsten Seiffert

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